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[[Datei:Pferdekopf-Waldgirmes-01.jpg|mini|hochkant|Der Pferdekopf, wie er in einer Vitrine aus Panzerglas im [[Kastell Saalburg|Saalburgmuseum]] ausgestellt wird, war vermutlich Teil einer Reiterstatue, die vor etwa 2000 Jahren angefertigt wurde.]]
Der '''Pferdekopf von Waldgirmes''' ist ein archäologischer Fund, der 2009 auf einem Feld bei [[Lahnau]]-[[Waldgirmes]] in [[Mittelhessen]] geborgen wurde. Vermutlich gehörte der Kopf zu einem [[Reiterstandbild]], das auf dem [[Forum (Platz)|Forum]] der [[Römisches Forum Lahnau-Waldgirmes|dortigen römischen Siedlung]] stand.
Wegen eines [[Rechtsstreit]]s zwischen dem Land Hessen und dem Eigentümer des Fundortes um den Wert des Objektes wurde das restaurierte Objekt erst am 19. August 2018 im [[Kastell Saalburg|Saalburgmuseum]] öffentlich ausgestellt.
== Beschreibung und Herkunft ==
[[Datei:Reiterstandbild 4 (Waldgirmes).jpg|mini|hochkant|Modernisierte Nachbildung des Reiterstandbildes in Waldgirmes]]
Der Pferdekopf ist aus [[Bronze]] und [[Vergolden|vergoldet]]. Zu Gewicht und Länge gibt es unterschiedliche Angaben: Die Pressemitteilung des Ministeriums spricht von 15 kg und 59 cm, in der Ausstellung am Objekt stehen die Angaben 14 kg und 55 cm.
Trotz guter Erhaltung musste das Objekt nach dem Auffinden zunächst aufwändig für 75.000 [[Euro]] restauriert werden.<ref>{{Internetquelle |url=https://www.giessener-allgemeine.de/regional/hessen/Hessen-Pferdekopf-als-Exponat-zugaenglich;art189,473277 |titel=Pferdekopf als Exponat zugänglich |werk=Gießener Allgemeine |datum=2018-08-19 |abruf=2018-08-20 |sprache=de}}</ref> Bei der Restaurierung, die rund ein Jahr gedauert hat, wurde der Pferdekopf gereinigt und die lose Vergoldung befestigt.<ref name=":0">{{Internetquelle |autor=Alexander Wächtershäuser |url=http://www.taunus-zeitung.de/lokales/hochtaunus/vordertaunus/Roemischer-Pferdekopf-kann-ab-heute-auf-der-Saalburg-bewundert-werden;art48711,3079038 |titel=Römischer Pferdekopf kann ab heute auf der Saalburg bewundert werden |werk=Taunus-Zeitung |datum=2018-08-18 |abruf=2018-08-20}}</ref> Dabei mussten die Korrosionsprodukte der Bronze mit größter Sorgfalt entfernt werden, um die verbliebene, nur hauchdünne Vergoldung nicht zu beschädigen. Abschließend erhielt der Pferdekopf einen Schutzüberzug aus Acrylharz.<ref name=":4">{{Internetquelle |url=https://wissenschaft.hessen.de/presse/pressemitteilung/saalburg-bietet-ideales-ausstellungsumfeld-fuer-antiken-roemischen-pferdekopf |titel=Saalburg bietet ideales Ausstellungsumfeld für antiken römischen Pferdekopf |werk=Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst |datum=2018-08-17 |abruf=2018-08-20 |sprache=de}}</ref>
Auf dem Nasenrücken des Pferdes sieht man eine Platte, die den Kriegsgott [[Mars (Mythologie)|Mars]] zeigt. Seitlich befinden sich Darstellungen von Siegesgöttinnen. Das Pferd hat ein mit sechs Schmuckscheiben reich verziertes Zaumzeug und ist vermutlich italienischen Ursprungs.<ref name=":1" />
Archäologen vermuten, dass der Pferdekopf zu einer prunkvollen [[Reiterstandbild|Reiterstatue]] gehört hat, wie sie zu dieser Zeit im gesamten Römischen Reich im Rahmen eines gesteuerten Programms zum [[Kaiserkult]] aufgestellt wurden. Dafür spricht, dass außer dem Kopf auch der linke Fuß der Statue sowie ein Stück Zaumzeug gefunden wurden.<ref name=":4" /> Wahrscheinlich hat sie Kaiser [[Augustus]] – wofür unter anderem die Vergoldung sprechen würde – oder weniger wahrscheinlich einen anderen männlichen Angehörigen der kaiserlichen Familie gezeigt und wurde auf einem zentralen Platz ausgestellt. Das könnte das Forum in der Siedlung von Waldgirmes gewesen sein.<ref name=":0" />
Hergestellt wurde das Standbild frühestens im Jahr 4 vor Christus. Die Siedlung – und damit wahrscheinlich auch das Standbild – wurde nach der [[Varusschlacht]] im Jahre 9 oder 10 nach Christus zerstört.<ref name=":2">{{Internetquelle |url=https://www.hessenschau.de/kultur/nach-rechtsstreit-antiker-pferdekopf-ab-august-in-der-saalburg-zu-sehen,pferdekopf-wird-gezeigt-100.html |titel=Antiker Pferdekopf ab August in der Saalburg zu sehen |werk=Hessenschau.de |datum=2018-07-31 |abruf=2018-08-20}}</ref>
== Auffinden und Rechtsstreit ==
Bei Grabungen zur Siedlung hat man den Überrest des Pferdekopfes gefunden: in einem Holzfass, elf Meter tief im früheren Brunnenschacht.<ref name=":3">{{Internetquelle |url=https://www.archaeologie-online.de/nachrichten/bronzener-pferdekopf-von-waldgirmes-wird-ab-19-august-oeffentlich-ausgestellt-4025/ |titel=Bronzener Pferdekopf von Waldgirmes wird ab 19. August öffentlich ausgestellt |werk=Archaelogie-online.de |datum=2018-08-10 |abruf=2018-08-20}}</ref> Möglicherweise haben Gegner der Römer beim Niederbrennen der Siedlung auch das Standbild zerstört und die Trümmer in den Brunnen geworfen.<ref name=":1">{{Internetquelle |url=https://www.welt.de/geschichte/article180079140/Siedlung-Waldgirmes-Roemischer-Pferdekopf-kostet-Hessen-ueber-800-000-Euro.html |titel=Römischer Pferdekopf kostet Hessen über 800.000 Euro |werk=Welt.de |datum=2018-07-27 |abruf=2018-08-20 |sprache=de}}</ref>
Um den Pferdekopf gibt es einen seit der Ausgrabung dauernden Rechtsstreit. In Bundesländern ohne umfangreiches [[Schatzregal]] wird der Eigentümer eines Grundstückes, auf dem archäologische Objekte gefunden werden, gemäß der [[Hadrianische Teilung|Hadrianischen Teilung]] am Fundwert beteiligt. In Hessen betrug die Entschädigung zum Zeitpunkt des Fundes 50 Prozent des Wertes. Das Land und der Landwirt konnten sich nicht einigen. Im Jahr 2016 erhielt er 48.000 Euro. Nach einem Sachverständigenurteil, das den Wert auf rund 1,6 Millionen taxierte, sprach ihm das [[Landgericht Limburg a. d. Lahn|Landgericht Limburg]] im Juli 2018 erstinstanzlich eine Entschädigung von 821.000 Euro zu.<ref name=":3" /> Ende August 2018 wurde bekannt, dass das Land Hessen Berufung beim [[Oberlandesgericht Frankfurt am Main]] einlegt. Damit wolle es „die Interessen und die Rechtsposition des Landes wahren“ (Az.: 1 U 174/18).<ref>dpa: [http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/region-und-hessen/streit-um-roemischen-pferdekopf-geht-in-naechste-runde-15757928.html Streit um römischen Pferdekopf geht in nächste Runde]. In: FAZ.net, 27. August 2018</ref> Anfang März 2020 kam es zu einem Vergleich, über dessen Inhalt Stillschweigen vereinbart wurde.<ref>https://www.sueddeutsche.de/wissen/archaeologie-frankfurt-am-main-vergleich-im-streit-um-roemischen-pferdekopf-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-200305-99-201183.</ref>
== Präsentation ==
Der Pferdekopf wird im Saalburgmuseum im letzten Raum in einem Seitenarm der [[Principia (Stabsgebäude)|Principia]] ausgestellt. Das Museum selbst ist eigentlich eher dem viel später entstandenen [[Obergermanisch-Raetischer Limes|Limes]] gewidmet.<ref name=":2" /> Auf einem Wandbild hinter der Vitrine wird die Größe der Statue angedeutet.<ref name=":4" />
Vom 7. November bis zum 17. Dezember 2018 wurde der Pferdekopf im [[Martin-Gropius-Bau]] in [[Berlin]] in der Ausstellung ''[[Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland]]'' gezeigt, die aus Anlass des [[Europäisches Kulturerbejahr|Europäischen Kulturerbejahres]] 2018 stattfand.<ref>[https://www.smb.museum/ausstellungen/detail/bewegte-zeiten.html ''Bewegte Zeiten. Archäologie in Deutschland. 21. September 2018 bis 6. Januar 2019. Gropius Bau'']</ref><ref>{{Internetquelle |url=https://wissenschaft.hessen.de/presse/pressemitteilung/saalburg-bietet-ideales-ausstellungsumfeld-fuer-antiken-roemischen-pferdekopf |titel=Saalburg bietet ideales Ausstellungsumfeld für antiken römischen Pferdekopf |werk=Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst |datum=2018-08-17 |abruf=2018-08-20 |sprache=de}}</ref><ref>[https://wissenschaft.hessen.de/presse/pressemitteilung/pferdekopf-aus-vergoldeter-bronze-fuer-sechs-wochen-berlin-zu-sehen ''Pferdekopf aus vergoldeter Bronze für sechs Wochen in Berlin zu sehen''] bei Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst vom 6. November 2018</ref><ref>[https://www.tagesspiegel.de/kultur/archaeologie-ausstellung-im-gropius-bau-der-hengst-aus-dem-brunnen/23590592.html ''Der Hengst aus dem Brunnen''] in [[Der Tagesspiegel]] vom 7. November 2018</ref>
== Literatur ==
* Gabriele Rasbach: ''Die Zerschlagung des Augustus. Der Pferdekopf von Waldgirmes.'' in: [[Matthias Wemhoff]], [[Michael Rind]] (Hrsg.): ''Bewegte Zeiten – Archäologie in Deutschland.'' Michael Imhof Verlag, Petersberg 2018, ISBN 978-3-7319-0723-7 (Ausstellungskatalog), S. 328–331.
== Weblinks ==
{{Commonscat|Pferdekopf von Waldgirmes}}
* Dossier [https://www.mittelhessen.de/dossiers/dossier-69 ''Pferdekopf – Streit um Relikt aus der Römerzeit''] der [[Zeitungsgruppe Lahn-Dill]]
* Hessisches Ministerium für Wissenschaft und Kunst: [https://wissenschaft.hessen.de/presse/pressemitteilung/saalburg-bietet-ideales-ausstellungsumfeld-fuer-antiken-roemischen-pferdekopf ''Saalburg bietet ideales Ausstellungsumfeld für antiken römischen Pferdekopf.''] Pressemeldung vom 17. August 2018, abgerufen am 20. August 2018.
== Einzelnachweise ==
<references />
[[Kategorie:Kaiserzeitlicher Fund (Barbaricum)]]
[[Kategorie:Bronzeskulptur in Hessen]]
[[Kategorie:Reiterstatue]]
[[Kategorie:Antike Statue]]
[[Kategorie:Germania magna]]
[[Kategorie:Saalburgmuseum]]
[[Kategorie:Lahnau]]
[[Kategorie:Archäologischer Fund (Hessen)]]
[[Kategorie:Archäologischer Fund (Römisches Reich)]]
[[Kategorie:Römische Skulptur]]