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{{Infobox Welterbe
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|Name          = Obergermanisch-Raetischer Limes
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|Bild          =[[Datei:Limes2.png|250px|Karte des Obergermanisch-Raetischen Limes]]
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|Beschriftung  =Karte des Obergermanisch-Raetischen Limes
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|Staats-Gebiet = {{Deutschland}}
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|Typ          = Kultur
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|Kriterien    = (ii)(iii)(iv)
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|Referenz-Nr  = 430
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|Link          = http://whc.unesco.org/en/list/430
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|Region        = Europa und Nordamerika
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|Jahr          = 2005
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|Sitzung      =
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|Erweiterung  = 2008
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|Gefährdung    =
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}}
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[[Datei:Holzwachturm am rätischen Limes (Rekonstruktion) - Wp12 77.jpg|mini|Der 2008 auf Grundlage der Arbeiten von Dietwulf Baatz rekonstruierte Holzwachturm]]
   
Der '''Obergermanisch-Raetische Limes''' ('''ORL''') ist ein 550 Kilometer langer Abschnitt der ehemaligen Außengrenze des [[Römisches Reich|Römischen Reichs]] zwischen [[Rhein]] und [[Donau]]. Er erstreckt sich von [[Kleinkastell Rheinbrohl|Rheinbrohl]] bis zum [[Kastell Eining]] an der Donau. Der Obergermanisch-Raetische Limes ist ein [[Bodendenkmal]] und seit 2005 [[UNESCO-Welterbe|Weltkulturerbe]] der [[UNESCO]].
 
Der '''Obergermanisch-Raetische Limes''' ('''ORL''') ist ein 550 Kilometer langer Abschnitt der ehemaligen Außengrenze des [[Römisches Reich|Römischen Reichs]] zwischen [[Rhein]] und [[Donau]]. Er erstreckt sich von [[Kleinkastell Rheinbrohl|Rheinbrohl]] bis zum [[Kastell Eining]] an der Donau. Der Obergermanisch-Raetische Limes ist ein [[Bodendenkmal]] und seit 2005 [[UNESCO-Welterbe|Weltkulturerbe]] der [[UNESCO]].
    
== Begriff ==
 
== Begriff ==
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[[Datei:Saalburg - Haupteingang 2009.jpg|mini|Das [[Kastell Saalburg]]. In den Jahren 1899 bis 1907 errichtet, gilt die Anlage als bedeutendster Rekonstruktionsversuch der archäologischen Vergangenheit. Die bereits 1885 von Louis Jacobi errichtete Südwestecke mit weiterem und damit richtigem Zinnenabstand musste während der Gesamtrekonstruktion wohl auf Veranlassung Kaiser Wilhelms II., mit mittelalterlichem Zinnenabstand und damit falsch wiederaufgebaut werden.<ref>Dietwulf Baatz: ''Die Saalburg – ein Limeskastell 80 Jahre nach der Rekonstruktion.'' In: Günter Ulbert, Gerhard Weber (Hrsg.): ''Konservierte Geschichte? Antike Bauten und ihre Erhaltung.'' Konrad Theiss Verlag. Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0450-0, S. 126; Abb. 127.</ref>]]
   
Der lateinische Begriff [[Limes (Grenzwall)|Limes]] bedeutete ursprünglich Grenzweg bzw. Schneise. In Deutschland sind mit Limes in der Regel der Raetische Limes und der Obergermanische Limes gemeint, gemeinsam als Obergermanisch-Raetischer Limes bezeichnet. Die beiden Limesabschnitte sind nach den angrenzenden [[Römische Provinz|römischen Provinzen]] ''[[Raetia]]'' (Rätien) und ''[[Germania superior]]'' (Obergermanien) benannt.
 
Der lateinische Begriff [[Limes (Grenzwall)|Limes]] bedeutete ursprünglich Grenzweg bzw. Schneise. In Deutschland sind mit Limes in der Regel der Raetische Limes und der Obergermanische Limes gemeint, gemeinsam als Obergermanisch-Raetischer Limes bezeichnet. Die beiden Limesabschnitte sind nach den angrenzenden [[Römische Provinz|römischen Provinzen]] ''[[Raetia]]'' (Rätien) und ''[[Germania superior]]'' (Obergermanien) benannt.
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== Funktion ==
 
== Funktion ==
 
Die Funktion der römischen Militärgrenzen wird seit geraumer Zeit verstärkt diskutiert. Die neueste Forschung geht zumeist davon aus, dass zumindest der Obergermanisch-Raetische Limes entgegen älteren Vorstellungen nicht primär eine militärische [[Grenze|Demarkations- und Defensivlinie]] war, sondern eher eine überwachte Wirtschaftsgrenze zum nichtrömischen Raum darstellte. Der Limes sollte eine Überwachung des friedlichen Grenzverkehrs und die Erhebung von Zöllen und Steuern ermöglichen. Zur Abwehr systematischer äußerer Angriffe war der Limes nicht geeignet, zumal die dort stationierten Truppen nicht für eine Verteidigung genügten. Das römische Imperium dehnte durch eine geschickte [[Wirtschaftspolitik]] seinen Einflussbereich weit nach Nordosten, über die Grenze hinaus, aus. Zeugnis davon geben die vielen [[Grenzübergang|Grenzübergänge]], die zwar von römischen Soldaten überwacht wurden, aber dennoch einen regen wirtschaftlichen Austausch ermöglichten, und die zahlreichen römischen Funde auch im „freien Germanien“ (bis nach [[Jütland]] und [[Skandinavien]]). Auch versuchte man mitunter, jenseits des Limes [[römische Legion]]äre anzusiedeln oder, sehr viel häufiger, [[Auxiliartruppen|Auxiliarsoldaten]] anzuwerben. Damit reichte die Romanisierung der Bevölkerung über den Limes hinaus.
 
Die Funktion der römischen Militärgrenzen wird seit geraumer Zeit verstärkt diskutiert. Die neueste Forschung geht zumeist davon aus, dass zumindest der Obergermanisch-Raetische Limes entgegen älteren Vorstellungen nicht primär eine militärische [[Grenze|Demarkations- und Defensivlinie]] war, sondern eher eine überwachte Wirtschaftsgrenze zum nichtrömischen Raum darstellte. Der Limes sollte eine Überwachung des friedlichen Grenzverkehrs und die Erhebung von Zöllen und Steuern ermöglichen. Zur Abwehr systematischer äußerer Angriffe war der Limes nicht geeignet, zumal die dort stationierten Truppen nicht für eine Verteidigung genügten. Das römische Imperium dehnte durch eine geschickte [[Wirtschaftspolitik]] seinen Einflussbereich weit nach Nordosten, über die Grenze hinaus, aus. Zeugnis davon geben die vielen [[Grenzübergang|Grenzübergänge]], die zwar von römischen Soldaten überwacht wurden, aber dennoch einen regen wirtschaftlichen Austausch ermöglichten, und die zahlreichen römischen Funde auch im „freien Germanien“ (bis nach [[Jütland]] und [[Skandinavien]]). Auch versuchte man mitunter, jenseits des Limes [[römische Legion]]äre anzusiedeln oder, sehr viel häufiger, [[Auxiliartruppen|Auxiliarsoldaten]] anzuwerben. Damit reichte die Romanisierung der Bevölkerung über den Limes hinaus.
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[[Datei:Limestor Dalkingen WP 12-81.jpg|mini|links|Das [[Limestor Dalkingen]] (WP 12/81), das in fünf Ausbauphasen errichtet wurde]]
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[[Datei:Rätische Mauer, WP 12-77.jpg|mini|links|Bei WP 12/77 wurde ein Teil der Limesmauer auf voller Höhe rekonstruiert ([[Kastell Buch|Mahdholz]])]]
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== Forschungsgeschichte ==
 
== Forschungsgeschichte ==
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[[Datei:Comitatus hanau.jpg|mini|Karte der Grafschaft Hanau von [[Friedrich Zollmann]] 1728, darin eine der frühesten Einzeichnungen des Limes, bezeichnet als ''Reliquiae munimenti Romani sive Lineae adversus Germanos erectae, hodieque Der Pfalgraben, Pfolgraben vel Polgraben dictae'']]
   
Das Interesse am Limes als Rest einer Anlage aus römischer Zeit wurde in Deutschland in der Zeit der [[Renaissance]] und des [[Renaissance-Humanismus|Humanismus]] wieder lebendig. Gefördert wurde dies durch die Wiederauffindung der ''[[Germania (Tacitus)|Germania]]'' und der ''[[Annales (Tacitus)|Annales]]'' des [[Tacitus]] in Klosterbibliotheken im 15. und frühen 16. Jahrhundert.
 
Das Interesse am Limes als Rest einer Anlage aus römischer Zeit wurde in Deutschland in der Zeit der [[Renaissance]] und des [[Renaissance-Humanismus|Humanismus]] wieder lebendig. Gefördert wurde dies durch die Wiederauffindung der ''[[Germania (Tacitus)|Germania]]'' und der ''[[Annales (Tacitus)|Annales]]'' des [[Tacitus]] in Klosterbibliotheken im 15. und frühen 16. Jahrhundert.
 
Gelehrte wie [[Simon Studion]] (1543–1605) erforschten [[Epigraphik|Inschriften]] und entdeckten Kastelle, Studion leitete archäologische Ausgrabungen des [[Kastell Benningen|Kastells Benningen]] an der Neckarlinie des Neckar-Odenwald-Limes. Regionale Limes-Kommissionen wurden gegründet, blieben aber aufgrund der politischen Gegebenheiten auf kleine Gebiete beschränkt, zum Beispiel im [[Großherzogtum Hessen]] oder im [[Großherzogtum Baden]]. [[Johann Alexander Döderlein]] berichtete als Erster vom Verlauf des Limes im Raum [[Eichstätt]]. Im Jahre 1723 deutete er die Bedeutung des Limes als Erster richtig<ref name="bel1">[http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/1986_33.pdf ''Weißenburg stiftet eigenen Kulturpreis''], erschienen 1986, abgerufen am 22. Juni 2016</ref><ref name="bel2">Bernhard Overbeck: ''Johann Alexander Döderlein (1675–1745) und die „vaterländische“ Numismatik'', Braunschweig 2012, S. 147–165</ref> und veröffentlichte 1731 eine erste wissenschaftliche Schrift darüber.
 
Gelehrte wie [[Simon Studion]] (1543–1605) erforschten [[Epigraphik|Inschriften]] und entdeckten Kastelle, Studion leitete archäologische Ausgrabungen des [[Kastell Benningen|Kastells Benningen]] an der Neckarlinie des Neckar-Odenwald-Limes. Regionale Limes-Kommissionen wurden gegründet, blieben aber aufgrund der politischen Gegebenheiten auf kleine Gebiete beschränkt, zum Beispiel im [[Großherzogtum Hessen]] oder im [[Großherzogtum Baden]]. [[Johann Alexander Döderlein]] berichtete als Erster vom Verlauf des Limes im Raum [[Eichstätt]]. Im Jahre 1723 deutete er die Bedeutung des Limes als Erster richtig<ref name="bel1">[http://frankenland.franconica.uni-wuerzburg.de/login/data/1986_33.pdf ''Weißenburg stiftet eigenen Kulturpreis''], erschienen 1986, abgerufen am 22. Juni 2016</ref><ref name="bel2">Bernhard Overbeck: ''Johann Alexander Döderlein (1675–1745) und die „vaterländische“ Numismatik'', Braunschweig 2012, S. 147–165</ref> und veröffentlichte 1731 eine erste wissenschaftliche Schrift darüber.
    
=== Reichs-Limeskommission ===
 
=== Reichs-Limeskommission ===
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[[Datei:ORL A 01 tab 09 pic 01 Limesprofil bei Rheinbrohl.jpg|mini|Zeit der RLK: [[Befund (Archäologie)|archäologischer Befund]] und zeichnerische Dokumentation, „Großer Graben“ und Palisadengraben bei [[Rheinbrohl]]]]
   
Erst nach der [[Reichsgründung]] konnten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Archäologen damit beginnen, den zuvor nur rudimentär bekannten Verlauf genauer aufzunehmen und erste systematische Ausgrabungen vorzunehmen. 1892 wurde zu diesem Zweck die [[Reichs-Limeskommission]] (RLK) unter der Leitung des Althistorikers [[Theodor Mommsen]] mit Sitz in [[Berlin]] gegründet. Die Arbeit dieser Kommission gilt als Pioniertat zur Aufarbeitung provinzialrömischer Geschichte. Besonders produktiv waren die ersten zehn Jahre der Forschung, in denen der Verlauf des Obergermanisch-Raetischen-Limes festgestellt und die Kastelle entlang der Grenze benannt wurden. Die Forschungsberichte über die Ausgrabungen erschienen von 1894 bis zur Auflösung der Kommission im Jahr 1937. Die einzelnen Lieferungen wurden unter dem Titel ''[[Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches]]'' (ORL) in fünfzehn Bänden zusammengefasst, von denen sich sieben mit der Strecke und acht mit den einzelnen Kastellen befassen. Die Unterlagen der Reichs-Limeskommission befinden sich heute in der Obhut der [[Römisch-Germanische Kommission|Römisch-Germanischen Kommission]] des [[Deutsches Archäologisches Institut|Deutschen Archäologischen Instituts]]. Die RLK nummerierte neben den Strecken die Kastelle fortlaufend sowie die Wachtürme (Wp) der einzelnen Strecken.
 
Erst nach der [[Reichsgründung]] konnten in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Archäologen damit beginnen, den zuvor nur rudimentär bekannten Verlauf genauer aufzunehmen und erste systematische Ausgrabungen vorzunehmen. 1892 wurde zu diesem Zweck die [[Reichs-Limeskommission]] (RLK) unter der Leitung des Althistorikers [[Theodor Mommsen]] mit Sitz in [[Berlin]] gegründet. Die Arbeit dieser Kommission gilt als Pioniertat zur Aufarbeitung provinzialrömischer Geschichte. Besonders produktiv waren die ersten zehn Jahre der Forschung, in denen der Verlauf des Obergermanisch-Raetischen-Limes festgestellt und die Kastelle entlang der Grenze benannt wurden. Die Forschungsberichte über die Ausgrabungen erschienen von 1894 bis zur Auflösung der Kommission im Jahr 1937. Die einzelnen Lieferungen wurden unter dem Titel ''[[Der obergermanisch-raetische Limes des Roemerreiches]]'' (ORL) in fünfzehn Bänden zusammengefasst, von denen sich sieben mit der Strecke und acht mit den einzelnen Kastellen befassen. Die Unterlagen der Reichs-Limeskommission befinden sich heute in der Obhut der [[Römisch-Germanische Kommission|Römisch-Germanischen Kommission]] des [[Deutsches Archäologisches Institut|Deutschen Archäologischen Instituts]]. Die RLK nummerierte neben den Strecken die Kastelle fortlaufend sowie die Wachtürme (Wp) der einzelnen Strecken.
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=== Vermessungstechnische Besonderheiten ===
 
=== Vermessungstechnische Besonderheiten ===
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[[Datei:Pfedelbach-Gleichen-Limes-Turm.jpg|mini|Fundament des Sechseckturms (WP 9/51) in Gleichen]]
   
Am Obergermanischen Limes existieren mehrere Abschnitte, die durch einen exakt gradlinigen Streckenverlauf auffallen und wie mit dem Lineal durch die Landschaft gezogen wirken. Die dazu erforderliche außergewöhnliche Präzision wird der Verwendung der [[Groma]] durch römische [[Landvermesser]] zugeschrieben. Der längste dieser Abschnitte reicht, mit nur einer kurzen, dem Geländerelief bei [[Pfedelbach]]-[[Heuberg/Buchhorn/Gleichen#Geschichte|Gleichen]] geschuldeten Abweichung, von einem ansonsten unbedeutenden Wachturm bei [[Walldürn]] (Strecke 8) bis zum ''Haghof'' südlich von [[Welzheim]] und erreicht eine Länge von 81,259&nbsp;km. Damit handelt es sich um die längste geradlinige Trasse der gesamten Antike.<ref name="M. J. T. Lewis (2001), 242, 245">M. J. T. Lewis (2001): ''Surveying Instruments of Greece and Rome'', Cambridge University Press, ISBN 0-521-79297-5, S. 242, 245.</ref> Als Motiv vermutet man eine Machtdemonstration gegenüber der germanischen Bevölkerung. Eine Besonderheit in diesem Bereich stellt der Sechseckturm (WP 9/51) in Pfedelbach-Gleichen dar. Es handelt sich hierbei um den einzigen derartigen Turm an diesem Limesabschnitt. Seine einen Meter breiten und damit ungewöhnlich starken Fundamente besitzen als zusätzliche Verstärkung einen außen 0,5 Meter weit vorspringenden Sockel. Sechseckform und Grundmauern sprechen dafür, dass die Turmhöhe sicherlich weit über dem Normalmaß lag. Die Gestaltung des Turmes und sein Standort lassen vermuten, dass er ein Hauptpunkt für die optische Vermessung der schnurgeraden Strecke gewesen war.<ref> {{Webarchiv|text=Der Limes in Pfedelbach (abgerufen am 18. November 2018) |url=http://www.limes-in-hohenlohe.de/staedte-und-gemeinden/pfedelbach.html |wayback=20120112091238}}</ref>
 
Am Obergermanischen Limes existieren mehrere Abschnitte, die durch einen exakt gradlinigen Streckenverlauf auffallen und wie mit dem Lineal durch die Landschaft gezogen wirken. Die dazu erforderliche außergewöhnliche Präzision wird der Verwendung der [[Groma]] durch römische [[Landvermesser]] zugeschrieben. Der längste dieser Abschnitte reicht, mit nur einer kurzen, dem Geländerelief bei [[Pfedelbach]]-[[Heuberg/Buchhorn/Gleichen#Geschichte|Gleichen]] geschuldeten Abweichung, von einem ansonsten unbedeutenden Wachturm bei [[Walldürn]] (Strecke 8) bis zum ''Haghof'' südlich von [[Welzheim]] und erreicht eine Länge von 81,259&nbsp;km. Damit handelt es sich um die längste geradlinige Trasse der gesamten Antike.<ref name="M. J. T. Lewis (2001), 242, 245">M. J. T. Lewis (2001): ''Surveying Instruments of Greece and Rome'', Cambridge University Press, ISBN 0-521-79297-5, S. 242, 245.</ref> Als Motiv vermutet man eine Machtdemonstration gegenüber der germanischen Bevölkerung. Eine Besonderheit in diesem Bereich stellt der Sechseckturm (WP 9/51) in Pfedelbach-Gleichen dar. Es handelt sich hierbei um den einzigen derartigen Turm an diesem Limesabschnitt. Seine einen Meter breiten und damit ungewöhnlich starken Fundamente besitzen als zusätzliche Verstärkung einen außen 0,5 Meter weit vorspringenden Sockel. Sechseckform und Grundmauern sprechen dafür, dass die Turmhöhe sicherlich weit über dem Normalmaß lag. Die Gestaltung des Turmes und sein Standort lassen vermuten, dass er ein Hauptpunkt für die optische Vermessung der schnurgeraden Strecke gewesen war.<ref> {{Webarchiv|text=Der Limes in Pfedelbach (abgerufen am 18. November 2018) |url=http://www.limes-in-hohenlohe.de/staedte-und-gemeinden/pfedelbach.html |wayback=20120112091238}}</ref>
    
=== Begleitende Infrastruktur ===
 
=== Begleitende Infrastruktur ===
 
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[[Datei:Ostkastell Welzheim.jpg|mini|links|Rekonstruiertes Westtor des Ostkastells von [[Welzheim]] bei Schwäbisch Gmünd und dem Südende des obergermanischen Limes]]
   
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[[Datei:Abusina Popp 1903.jpg|mini|Auxiliarkastell [[Kastell Eining|Abusina]] als Endpunkt des Raetischen Limes (Stand der Ausgrabungen 1903)]]
   
Der Obergermanisch-Raetische Limes war im römischen Hinterland von einem Netz militärischer Stützpunkte und ziviler Versorgungseinrichtungen begleitet und von einem Straßen- und Wegenetz verbunden.
 
Der Obergermanisch-Raetische Limes war im römischen Hinterland von einem Netz militärischer Stützpunkte und ziviler Versorgungseinrichtungen begleitet und von einem Straßen- und Wegenetz verbunden.
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== Untergang ==
 
== Untergang ==
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{{Hauptartikel|Limesfall}}
   
Über die Epoche des Niedergangs des Obergermanisch-Raetischen Limes sind nur wenige schriftliche Quellen überliefert. Von den Historikern wurde daher lange Zeit angenommen, dass der Limes in einem einzigen Ansturm der Germanen in den Jahren 259 und 260 n.&nbsp;Chr. überrannt worden und zusammengebrochen sei. Neuere archäologische Untersuchungen und Funde zeigen jedoch, dass der Verfall im 3. Jahrhundert n.&nbsp;Chr. langsam und in verschiedenen Abstufungen erfolgte und es zudem Unterschiede zwischen dem obergermanischen und dem raetischen Abschnitt gab. Das Zusammentreffen einer ganzen Reihe von inneren und äußeren Ursachen bedingte einen Prozess des kontinuierlichen Niederganges.
 
Über die Epoche des Niedergangs des Obergermanisch-Raetischen Limes sind nur wenige schriftliche Quellen überliefert. Von den Historikern wurde daher lange Zeit angenommen, dass der Limes in einem einzigen Ansturm der Germanen in den Jahren 259 und 260 n.&nbsp;Chr. überrannt worden und zusammengebrochen sei. Neuere archäologische Untersuchungen und Funde zeigen jedoch, dass der Verfall im 3. Jahrhundert n.&nbsp;Chr. langsam und in verschiedenen Abstufungen erfolgte und es zudem Unterschiede zwischen dem obergermanischen und dem raetischen Abschnitt gab. Das Zusammentreffen einer ganzen Reihe von inneren und äußeren Ursachen bedingte einen Prozess des kontinuierlichen Niederganges.
    
=== Kämpfe unter Severus Alexander ===
 
=== Kämpfe unter Severus Alexander ===
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[[Datei:Kastell Dambach, Limes-Pfahlrost 1892.jpg|mini|Ein aus ca. 2000 Pfählen bestehender Pfahlrost diente als Fundament der rätischen Mauer, freigelegt im abgelassenen Kreutweiher bei [[Kastell Dambach|Dambach]] – Strecke 13: Ruffenhofen – Gunzenhausen<ref>[https://www.google.de/maps/place/49%C2%B006%2715.4%22N+10%C2%B034%2742.1%22E/@49.1083698,10.5683356,14z/data=!4m2!3m1!1s0x0:0x0] google Maps</ref>]]
   
Bereits seit dem späten 2. Jahrhundert stieg der Druck auf die römische Nordgrenze; neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass dies unter anderem auf neu zugewanderte Gruppen aus dem Inneren Germaniens zurückzuführen sein könnte, die nicht romanisiert waren und gegenüber dem Imperium aggressiver auftraten.<ref>[[Martin Kemkes]]: ''Vom Rhein an den Limes und wieder zurück. Die Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands.'' In: Dieter Planck u. a.: ''Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau''. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-2140-5, S.&nbsp;44–53, insbes. S.&nbsp;51f.</ref> Kaiser [[Commodus]] ließ um 185 mehrere Grenzanlagen erneuern und erweitern. 213 führte Kaiser [[Caracalla]] einen Straffeldzug jenseits des Limes durch. Der Hauptgrund für den Untergang bzw. die Aufgabe des Limes ist aber zum einen in der zunehmenden Inanspruchnahme der militärischen Kräfte durch Auseinandersetzungen in den orientalischen Provinzen zu suchen. Dort sah sich das [[Römisches Reich|Römische Reich]] einer wachsenden Herausforderung durch seinen östlichen Nachbarn, das im Jahr 224 n.&nbsp;Chr. gegründete persische [[Sassaniden]]reich, gegenüber. Als Reaktion darauf wurden immer mehr Truppen, besonders die Reitereien der [[Ala (Militär)|Alen]], vom Limes abgezogen. Der junge Kaiser [[Severus Alexander]] leitete im Jahr 232 n.&nbsp;Chr. zusammen mit seiner Mutter [[Julia Mamaea]] einen Feldzug gegen die Sassaniden. Die an den Grenzen im Osten stationierten Truppen hatten sich durch Meuterei als unzuverlässig erwiesen, so dass der Kaiser weitere Truppen vom Limes abkommandieren musste. In den folgenden verlustreichen Kämpfen konnte keiner der beiden Gegner einen Sieg erringen, auch ein Friedensvertrag wurde nicht geschlossen.
 
Bereits seit dem späten 2. Jahrhundert stieg der Druck auf die römische Nordgrenze; neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass dies unter anderem auf neu zugewanderte Gruppen aus dem Inneren Germaniens zurückzuführen sein könnte, die nicht romanisiert waren und gegenüber dem Imperium aggressiver auftraten.<ref>[[Martin Kemkes]]: ''Vom Rhein an den Limes und wieder zurück. Die Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands.'' In: Dieter Planck u. a.: ''Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau''. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-2140-5, S.&nbsp;44–53, insbes. S.&nbsp;51f.</ref> Kaiser [[Commodus]] ließ um 185 mehrere Grenzanlagen erneuern und erweitern. 213 führte Kaiser [[Caracalla]] einen Straffeldzug jenseits des Limes durch. Der Hauptgrund für den Untergang bzw. die Aufgabe des Limes ist aber zum einen in der zunehmenden Inanspruchnahme der militärischen Kräfte durch Auseinandersetzungen in den orientalischen Provinzen zu suchen. Dort sah sich das [[Römisches Reich|Römische Reich]] einer wachsenden Herausforderung durch seinen östlichen Nachbarn, das im Jahr 224 n.&nbsp;Chr. gegründete persische [[Sassaniden]]reich, gegenüber. Als Reaktion darauf wurden immer mehr Truppen, besonders die Reitereien der [[Ala (Militär)|Alen]], vom Limes abgezogen. Der junge Kaiser [[Severus Alexander]] leitete im Jahr 232 n.&nbsp;Chr. zusammen mit seiner Mutter [[Julia Mamaea]] einen Feldzug gegen die Sassaniden. Die an den Grenzen im Osten stationierten Truppen hatten sich durch Meuterei als unzuverlässig erwiesen, so dass der Kaiser weitere Truppen vom Limes abkommandieren musste. In den folgenden verlustreichen Kämpfen konnte keiner der beiden Gegner einen Sieg erringen, auch ein Friedensvertrag wurde nicht geschlossen.
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=== Wirtschaftlicher Niedergang ===
 
=== Wirtschaftlicher Niedergang ===
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[[Datei:Limes01.jpg|mini|Rekonstruktion von Palisaden und Graben in der Nähe der Saalburg]]
   
Die Befestigungsanlagen wurden nach den Erfahrungen der Plünderungen des Jahres 233 erneuert und vermutlich an die neuen Verhältnisse angepasst. Es ist wahrscheinlich, dass das Wall-Graben-System als Sperre gegen Reiterheere erst jetzt an den Wehranlagen des obergermanischen Limes zusätzlich oder als Ersatz für die Palisaden ausgebaut wurde. Viele der zerstörten Zivilsiedlungen wurden jedoch nicht mehr in vollem Umfang wieder aufgebaut. Archäologische Funde bestätigen rasche notdürftige Reparaturen an Wirtschaftsgebäuden. Nicht nur Wohngebäude und Badeanstalten wurden nicht mehr in alter Größe aufgebaut, sondern auch einzelne Kastelle scheinen damals in ihrer Bausubstanz reduziert worden zu sein. So ergaben Ausgrabungen innerhalb der Kastelle [[Kastell Kapersburg|Kapersburg]] und [[Kastell Miltenberg-Ost|Miltenberg-Ost]] eine Verkleinerung der Innenbebauung. Es wurde vielleicht schon damals mit einer dauerhaft reduzierten Besatzung gerechnet.
 
Die Befestigungsanlagen wurden nach den Erfahrungen der Plünderungen des Jahres 233 erneuert und vermutlich an die neuen Verhältnisse angepasst. Es ist wahrscheinlich, dass das Wall-Graben-System als Sperre gegen Reiterheere erst jetzt an den Wehranlagen des obergermanischen Limes zusätzlich oder als Ersatz für die Palisaden ausgebaut wurde. Viele der zerstörten Zivilsiedlungen wurden jedoch nicht mehr in vollem Umfang wieder aufgebaut. Archäologische Funde bestätigen rasche notdürftige Reparaturen an Wirtschaftsgebäuden. Nicht nur Wohngebäude und Badeanstalten wurden nicht mehr in alter Größe aufgebaut, sondern auch einzelne Kastelle scheinen damals in ihrer Bausubstanz reduziert worden zu sein. So ergaben Ausgrabungen innerhalb der Kastelle [[Kastell Kapersburg|Kapersburg]] und [[Kastell Miltenberg-Ost|Miltenberg-Ost]] eine Verkleinerung der Innenbebauung. Es wurde vielleicht schon damals mit einer dauerhaft reduzierten Besatzung gerechnet.
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=== Germanenzüge im Jahr 259/260 n. Chr. ===
 
=== Germanenzüge im Jahr 259/260 n. Chr. ===
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[[Datei:Neupotz grafik.png|mini|Plünderungszug der Alamannen (orange), Juthungen (rot) und Franken (magenta) 260&nbsp;n.&nbsp;Chr. – N=Neupotz, A=Augsburg]]
   
[[Numismatik|Numismatische]] und dendrochronologische Untersuchungen legen nahe, dass der raetische Teil des Limes bereits bald nach 254&nbsp;n.&nbsp;Chr., während der Regierungszeit des Kaisers Valerian (253–260), aufgegeben worden ist.<ref name="Fischer2008_41">Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: ''Der römische Limes in Bayern''. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S.&nbsp;41; [[Marcus Reuter]]: ''Das Ende des raetischen Limes im Jahr 254 n.&nbsp;Chr.'' In: ''[[Bayerische Vorgeschichtsblätter]]'' 72, 2007, S.&nbsp;77–149.</ref> Beispielsweise wurde im Frühsommer 254&nbsp;n.&nbsp;Chr. das Lagerdorf des raetischen [[Kastell Buch|Kastells Buch]] in Schutt und Asche gelegt.<ref name="Greiner 85">Bernhard Albert Greiner: ''Der Kastellvicus von Rainau-Buch: Siedlungsgeschichte und Korrektur der dendrochronologischen Daten.'' In: Ludwig Wamser, Bernd Steidl: ''Neue Forschungen zur römischen Besiedlung zwischen Oberrhein und Enns''. Verlag Bernhard Albert Greiner, Remshalden-Grunbach 2002, ISBN 3-935383-09-6, S.&nbsp;85.</ref> Im Gegensatz dazu blieb der südliche obergermanische Abschnitt des ''Vorderen Limes'' vielleicht zunächst noch einige Jahre bestehen. Darauf deuten die späten Münzfunde bis zur Zeit des [[Gallienus]] hin, wie sie am [[Kleinkastell Haselburg]] und am [[Kleinkastell Rötelsee]] geborgen wurden. Der Archäologe [[Markus Scholz (Archäologe)|Markus Scholz]] ging davon aus, dass der Limes am Taunus und in der Wetterau früher fiel als im Süden.<ref>Markus Scholz: ''Keramik und Geschichte des Kastells Kapersburg – eine Bestandsaufnahme.'' In: ''Saalburg-Jahrbuch.'' Band 52/53, 2002/2003. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2003, S.&nbsp;95/98.</ref> Zahlreiche Hortfunde belegen dann die Germaneneinfälle der Jahre 259 und 260 n.&nbsp;Chr., welche letztlich zur Aufgabe des gesamten Obergermanisch-Raetischen [[Limes (Grenzwall)|Limes]] führten. Diese Einfälle fielen in die Zeit der römischen [[Reichskrise des 3. Jahrhunderts|Reichskrise]]. Bekannt wurde der [[Hortfund von Neupotz]], welcher in den Jahren 1967–1997 bei der [[Kies]]förderung aus einem Altrheinarm bei [[Neupotz]] ans Tageslicht befördert wurde. Er gehört damit zum selben Fundhorizont wie der [[Hortfund von Hagenbach]] oder der [[Hortfund von Otterstadt]]. Insgesamt sind inzwischen 18 Baggerfunde des 3. Jahrhunderts aus dem Rhein zwischen [[Seltz]] und [[Mannheim]] bekannt. Ein massiver Vorstoß der [[Juthungen]] nach Italien in den Jahren 259/260 ist durch den [[Augsburger Siegesaltar]] bekannt geworden. Allerdings hat man nur in sehr wenigen Limeskastellen Spuren von Kämpfen und gewaltsamer Zerstörung finden können, weshalb heute viele Forscher annehmen, dass der Grenzwall selbst nicht überrannt und erobert, sondern mehr oder weniger planmäßig geräumt wurde: Die drastisch veränderte militärische Lage hatte die Anlage überflüssig gemacht. Viele Kastelle dürften von den kaiserlichen Truppen daher selbst niedergebrannt worden sein, um sie nicht den Feinden zu überlassen.
 
[[Numismatik|Numismatische]] und dendrochronologische Untersuchungen legen nahe, dass der raetische Teil des Limes bereits bald nach 254&nbsp;n.&nbsp;Chr., während der Regierungszeit des Kaisers Valerian (253–260), aufgegeben worden ist.<ref name="Fischer2008_41">Thomas Fischer, Erika Riedmeier Fischer: ''Der römische Limes in Bayern''. Verlag Friedrich Pustet, Regensburg 2008, ISBN 978-3-7917-2120-0, S.&nbsp;41; [[Marcus Reuter]]: ''Das Ende des raetischen Limes im Jahr 254 n.&nbsp;Chr.'' In: ''[[Bayerische Vorgeschichtsblätter]]'' 72, 2007, S.&nbsp;77–149.</ref> Beispielsweise wurde im Frühsommer 254&nbsp;n.&nbsp;Chr. das Lagerdorf des raetischen [[Kastell Buch|Kastells Buch]] in Schutt und Asche gelegt.<ref name="Greiner 85">Bernhard Albert Greiner: ''Der Kastellvicus von Rainau-Buch: Siedlungsgeschichte und Korrektur der dendrochronologischen Daten.'' In: Ludwig Wamser, Bernd Steidl: ''Neue Forschungen zur römischen Besiedlung zwischen Oberrhein und Enns''. Verlag Bernhard Albert Greiner, Remshalden-Grunbach 2002, ISBN 3-935383-09-6, S.&nbsp;85.</ref> Im Gegensatz dazu blieb der südliche obergermanische Abschnitt des ''Vorderen Limes'' vielleicht zunächst noch einige Jahre bestehen. Darauf deuten die späten Münzfunde bis zur Zeit des [[Gallienus]] hin, wie sie am [[Kleinkastell Haselburg]] und am [[Kleinkastell Rötelsee]] geborgen wurden. Der Archäologe [[Markus Scholz (Archäologe)|Markus Scholz]] ging davon aus, dass der Limes am Taunus und in der Wetterau früher fiel als im Süden.<ref>Markus Scholz: ''Keramik und Geschichte des Kastells Kapersburg – eine Bestandsaufnahme.'' In: ''Saalburg-Jahrbuch.'' Band 52/53, 2002/2003. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2003, S.&nbsp;95/98.</ref> Zahlreiche Hortfunde belegen dann die Germaneneinfälle der Jahre 259 und 260 n.&nbsp;Chr., welche letztlich zur Aufgabe des gesamten Obergermanisch-Raetischen [[Limes (Grenzwall)|Limes]] führten. Diese Einfälle fielen in die Zeit der römischen [[Reichskrise des 3. Jahrhunderts|Reichskrise]]. Bekannt wurde der [[Hortfund von Neupotz]], welcher in den Jahren 1967–1997 bei der [[Kies]]förderung aus einem Altrheinarm bei [[Neupotz]] ans Tageslicht befördert wurde. Er gehört damit zum selben Fundhorizont wie der [[Hortfund von Hagenbach]] oder der [[Hortfund von Otterstadt]]. Insgesamt sind inzwischen 18 Baggerfunde des 3. Jahrhunderts aus dem Rhein zwischen [[Seltz]] und [[Mannheim]] bekannt. Ein massiver Vorstoß der [[Juthungen]] nach Italien in den Jahren 259/260 ist durch den [[Augsburger Siegesaltar]] bekannt geworden. Allerdings hat man nur in sehr wenigen Limeskastellen Spuren von Kämpfen und gewaltsamer Zerstörung finden können, weshalb heute viele Forscher annehmen, dass der Grenzwall selbst nicht überrannt und erobert, sondern mehr oder weniger planmäßig geräumt wurde: Die drastisch veränderte militärische Lage hatte die Anlage überflüssig gemacht. Viele Kastelle dürften von den kaiserlichen Truppen daher selbst niedergebrannt worden sein, um sie nicht den Feinden zu überlassen.
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=== Der Limes heute ===
 
=== Der Limes heute ===
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[[Datei:Obergermanischer Limes bei Lich, Hessen, 2006.jpg|mini|Limes bei [[Lich]], Hessen, Mai 2006]]
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[[Datei:Rätische Mauer WP 14-17.jpg|mini|Moderne Präsentation eines restaurierten Steinturmfundaments (WP 14/17) mit begleitendem Wanderweg<ref>[https://www.google.de/maps/place/R%C3%B6mischer+Wachturm/@49.1043993,10.8750513,214m/data=!3m1!1e3!4m2!3m1!1s0x479f36a833970bbb:0xdfc636880c1ff98b] google Maps</ref>]]
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[[Datei:Römerturm, Auf dem Gaulskopf.jpg|mini|Rekonstruierter [[Gaulskopf (Taunus)#Römerturm|Römerturm]] am Gaulskopf]]
   
Der Limes stellt in Deutschland ein [[Bodendenkmal]] von internationaler Bedeutung dar. Einige bauliche Anlagen am Obergermanisch-Raetischen Limes wurden rekonstruiert. Beispiele sind die [[Kastell Saalburg|Saalburg]] bei [[Bad Homburg vor der Höhe]], das [[Kastell Aalen]], die jeweils bedeutende römische Museen in ihren Mauern bergen, sowie zahlreiche Wachtürme.
 
Der Limes stellt in Deutschland ein [[Bodendenkmal]] von internationaler Bedeutung dar. Einige bauliche Anlagen am Obergermanisch-Raetischen Limes wurden rekonstruiert. Beispiele sind die [[Kastell Saalburg|Saalburg]] bei [[Bad Homburg vor der Höhe]], das [[Kastell Aalen]], die jeweils bedeutende römische Museen in ihren Mauern bergen, sowie zahlreiche Wachtürme.
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=== Weltkulturerbe ===
 
=== Weltkulturerbe ===
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[[Datei:Saalburg4.jpg|mini|Seitliches Tor ''(porta principalis)'' des [[Kastell Saalburg|Kastells Saalburg]]]]
   
Am 15. Juli 2005 wurde der Obergermanisch-Raetische Limes durch die UNESCO in die Liste des [[Weltkulturerbe]]s aufgenommen, am 5. Juli 2006 in Aalen die entsprechenden Urkunden der UNESCO an die Vertreter der vier beteiligten Bundesländer [[Rheinland-Pfalz]], [[Hessen]], [[Baden-Württemberg]] und [[Bayern]] übergeben. Die beteiligten Bundesländer haben zu ihrer Koordination die [[Deutsche Limeskommission]] (DLK) gegründet. Bestandteil des Welterbes ist nur die Hauptlinie des Obergermanisch-Raetischen Limes in ihrem umfassenden Ausbauzustand. Sie schließt einen Teil der dahinter liegenden Infrastruktur mit ein.
 
Am 15. Juli 2005 wurde der Obergermanisch-Raetische Limes durch die UNESCO in die Liste des [[Weltkulturerbe]]s aufgenommen, am 5. Juli 2006 in Aalen die entsprechenden Urkunden der UNESCO an die Vertreter der vier beteiligten Bundesländer [[Rheinland-Pfalz]], [[Hessen]], [[Baden-Württemberg]] und [[Bayern]] übergeben. Die beteiligten Bundesländer haben zu ihrer Koordination die [[Deutsche Limeskommission]] (DLK) gegründet. Bestandteil des Welterbes ist nur die Hauptlinie des Obergermanisch-Raetischen Limes in ihrem umfassenden Ausbauzustand. Sie schließt einen Teil der dahinter liegenden Infrastruktur mit ein.
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== Anmerkungen ==
 
== Anmerkungen ==
 
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{{Navigationsleiste Römische Limites in Westeuropa}}
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{{Navigationsleiste Welterbe Deutschland}}
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{{Exzellent|2. Juli 2004|1832286}}
      
[[Kategorie:Ruine in Deutschland]]
 
[[Kategorie:Ruine in Deutschland]]

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