| | Der Obergermanisch-Raetische Limes war im römischen Hinterland von einem Netz militärischer Stützpunkte und ziviler Versorgungseinrichtungen begleitet und von einem Straßen- und Wegenetz verbunden. | | Der Obergermanisch-Raetische Limes war im römischen Hinterland von einem Netz militärischer Stützpunkte und ziviler Versorgungseinrichtungen begleitet und von einem Straßen- und Wegenetz verbunden. |
| − | Bereits seit dem späten 2. Jahrhundert stieg der Druck auf die römische Nordgrenze; neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass dies unter anderem auf neu zugewanderte Gruppen aus dem Inneren Germaniens zurückzuführen sein könnte, die nicht romanisiert waren und gegenüber dem Imperium aggressiver auftraten.<ref>[[Martin Kemkes]]: ''Vom Rhein an den Limes und wieder zurück. Die Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands.'' In: Dieter Planck u. a.: ''Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau''. Theiss, Stuttgart 2005, ISBN 3-8062-2140-5, S. 44–53, insbes. S. 51f.</ref> Kaiser [[Commodus]] ließ um 185 mehrere Grenzanlagen erneuern und erweitern. 213 führte Kaiser [[Caracalla]] einen Straffeldzug jenseits des Limes durch. Der Hauptgrund für den Untergang bzw. die Aufgabe des Limes ist aber zum einen in der zunehmenden Inanspruchnahme der militärischen Kräfte durch Auseinandersetzungen in den orientalischen Provinzen zu suchen. Dort sah sich das [[Römisches Reich|Römische Reich]] einer wachsenden Herausforderung durch seinen östlichen Nachbarn, das im Jahr 224 n. Chr. gegründete persische [[Sassaniden]]reich, gegenüber. Als Reaktion darauf wurden immer mehr Truppen, besonders die Reitereien der [[Ala (Militär)|Alen]], vom Limes abgezogen. Der junge Kaiser [[Severus Alexander]] leitete im Jahr 232 n. Chr. zusammen mit seiner Mutter [[Julia Mamaea]] einen Feldzug gegen die Sassaniden. Die an den Grenzen im Osten stationierten Truppen hatten sich durch Meuterei als unzuverlässig erwiesen, so dass der Kaiser weitere Truppen vom Limes abkommandieren musste. In den folgenden verlustreichen Kämpfen konnte keiner der beiden Gegner einen Sieg erringen, auch ein Friedensvertrag wurde nicht geschlossen. | + | [[Datei:Saalburg 002.jpg|mini|Saalburg]] |
| | + | Bereits seit dem späten 2. Jahrhundert stieg der Druck auf die römische Nordgrenze; neuere Untersuchungen deuten darauf hin, dass dies unter anderem auf neu zugewanderte Gruppen aus dem Inneren Germaniens zurückzuführen sein könnte, die nicht romanisiert waren und gegenüber dem Imperium aggressiver auftraten.<ref>[[Martin Kemkes]]: ''Vom Rhein an den Limes und wieder zurück. Die Besetzungsgeschichte Südwestdeutschlands.'' In: Dieter Planck u. a.: ''Imperium Romanum. Roms Provinzen an Neckar, Rhein und Donau''. Theiss, Stuttgart 2005, [[index.php?title=Special:BookSources/3806221405|ISBN 3-8062-2140-5]], S. 44–53, insbes. S. 51f.</ref> Kaiser [[Commodus]] ließ um 185 mehrere Grenzanlagen erneuern und erweitern. 213 führte Kaiser [[Caracalla]] einen Straffeldzug jenseits des Limes durch. Der Hauptgrund für den Untergang bzw. die Aufgabe des Limes ist aber zum einen in der zunehmenden Inanspruchnahme der militärischen Kräfte durch Auseinandersetzungen in den orientalischen Provinzen zu suchen. Dort sah sich das [[Römisches Reich|Römische Reich]] einer wachsenden Herausforderung durch seinen östlichen Nachbarn, das im Jahr 224 n. Chr. gegründete persische [[Sassaniden]]reich, gegenüber. Als Reaktion darauf wurden immer mehr Truppen, besonders die Reitereien der [[Ala (Militär)|Alen]], vom Limes abgezogen. Der junge Kaiser [[Severus Alexander]] leitete im Jahr 232 n. Chr. zusammen mit seiner Mutter [[Julia Mamaea]] einen Feldzug gegen die Sassaniden. Die an den Grenzen im Osten stationierten Truppen hatten sich durch Meuterei als unzuverlässig erwiesen, so dass der Kaiser weitere Truppen vom Limes abkommandieren musste. In den folgenden verlustreichen Kämpfen konnte keiner der beiden Gegner einen Sieg erringen, auch ein Friedensvertrag wurde nicht geschlossen. |
| | Zum anderen nutzten inzwischen die Germanen, namentlich die [[Alamannen]], im Jahr 233 n. Chr. die Schwächung der römischen Verteidigungslinien zu Plünderungen und Zerstörungen. Entlang des Limes befand sich damals wahrscheinlich nur noch Auxiliarinfanterie, die den Germanen, die mittlerweile anders als früher in größeren Stammesverbänden organisiert waren und daher nun leichter kampfstärkere Einheiten aufzubieten wussten, kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Die Plünderungszüge führten die Germanen an den Rhein und in das Alpenvorland. Mehrere Lager, darunter das [[Kastell Saalburg]], wurden zerstört. Archäologisch lassen sich Zerstörungshorizonte aus dieser Zeit, etwa im [[Kastell Osterburken]], nachweisen. In Osterburken fanden sich im Grabenbereich der Garnison die Überreste von mindestens drei Menschen, die eines gewaltsamen Todes gestorben waren.<ref name="Rabold_2000_79">Britta Rabold, Egon Schallmayer, Andreas Thiel: ''Der Limes. Die Deutsche Limes-Straße vom Rhein bis zur Donau.'' Konrad Theiss Verlag 2000, ISBN 3-8062-1461-1, S. 79.</ref> | | Zum anderen nutzten inzwischen die Germanen, namentlich die [[Alamannen]], im Jahr 233 n. Chr. die Schwächung der römischen Verteidigungslinien zu Plünderungen und Zerstörungen. Entlang des Limes befand sich damals wahrscheinlich nur noch Auxiliarinfanterie, die den Germanen, die mittlerweile anders als früher in größeren Stammesverbänden organisiert waren und daher nun leichter kampfstärkere Einheiten aufzubieten wussten, kaum etwas entgegenzusetzen hatte. Die Plünderungszüge führten die Germanen an den Rhein und in das Alpenvorland. Mehrere Lager, darunter das [[Kastell Saalburg]], wurden zerstört. Archäologisch lassen sich Zerstörungshorizonte aus dieser Zeit, etwa im [[Kastell Osterburken]], nachweisen. In Osterburken fanden sich im Grabenbereich der Garnison die Überreste von mindestens drei Menschen, die eines gewaltsamen Todes gestorben waren.<ref name="Rabold_2000_79">Britta Rabold, Egon Schallmayer, Andreas Thiel: ''Der Limes. Die Deutsche Limes-Straße vom Rhein bis zur Donau.'' Konrad Theiss Verlag 2000, ISBN 3-8062-1461-1, S. 79.</ref> |